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Warum China Daimlers erstes Zuhause werden kann



ichIm prächtigen Speisesaal des Wanda Hotels in Wuhan freut sich der junge chinesische Diplomat über Deutschland. Der deutsche Autobauer, der den Mann aus Peking Anfang der dreißiger Jahre analysierte, hat die Chinesen trotz ihres Erfolgs noch nicht verstanden. In den Luxuskarosserien der Hersteller aus dem “Land der Tugend”, wie Deutschland auf Chinesisch genannt wird, sind die Bildschirme für die Infotainmentsysteme viel kleiner als in den Autos des amerikanischen Herstellers Tesla. Die riesigen Bildschirme zeigten viele nutzlose Dinge. “Aber genau das lieben wir hier.”

; Daimler hat das endlich verstanden.

Hendrik Ankenbrand

Tatsächlich stellte das Stuttgarter Unternehmen am Tag zuvor eine neue S-Klasse vor, die noch nicht an ein rollendes Tablet wie Teslas Modell S erinnert. Der Bildschirm ist jedoch nur noch wenige Zentimeter größer als das zentrale Infotainmentsystem im neuen Schlachtschiff mit dem verkauften Stern nirgendwo so gut wie in China. Daimler hat hier ein Drittel aller S-Klassen des Vorgängermodells verkauft. Von der noch luxuriöseren Maybach-Variante gibt es sogar zwei von drei Fahrzeugen, die die Gruppe im Reich der Mitte verkauft. In anderen Ländern sind S-Klasse-Fahrer älter. In China sind es durchschnittlich 37 Jahre. Für ein Drittel aller Käufer der S-Klasse ist es das erste Auto überhaupt – was etwas über die Popularität der Marke hier aussagt, vor allem aber über den schnell wachsenden Wohlstand eines Landes, in dem allein im vergangenen Jahr rund 160.000 Menschen Dollarmillionäre wurden.

Kein Wunder, dass Daimler in China noch mehr Geld verdienen möchte. Der Stuttgarter Hersteller kann es verwenden. Angesichts der Pandemie verkaufte Mercedes im ersten Halbjahr nur 945.000 Autos, rund ein Fünftel weniger als im Vorjahreszeitraum. Aber in China, dem angeblichen Ursprung des Coronavirus, erreichte der Umsatz im vergangenen Jahr ein Niveau. Seitdem ist es im Reich der Mitte los. Chinas Oberschicht konsumiert, als gäbe es kein Morgen, erklärte kürzlich die EU-Handelskammer Jörg Wuttke. Luxusgüterhersteller wie LVMH (Louis Vuitton, Hublot) berichteten, dass der Umsatz gegenüber dem Vorjahr im September um 250 Prozent gestiegen ist. Und die Mercedes-Häuser würden ihm berichten, dass nur noch wenige Autos auf der Müllkippe waren, berichtet Li Yanwei von der China Automobile Dealer Association.

Aufregung auf der Autoausstellung

Bisher ist jedoch nicht einmal die Hälfte der feinen Gewinne zumindest der in China hergestellten Modelle wie der E-Klasse auf dem Daimler-Konto in Stuttgart gelandet. Die Deutschen besitzen nur 49 Prozent des Joint Ventures, das die Gruppe mit dem chinesischen Automobilhersteller BAIC betreibt. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Daimler seinen Anteil auf mindestens 65 Prozent erhöhen möchte.

Ausländische Automobilhersteller in China besitzen inzwischen die Mehrheit ihrer Unternehmen. So hat BMW beispielsweise seinen Anteil an einem Joint Venture mit dem kranken nordchinesischen Staatsunternehmen Brilliance im Jahr 2018 auf 75 Prozent erhöht. Hinter Daimlers Partnern steht jedoch die Kommunistische Partei in der Hauptstadt Peking. Wenn BAIC Anteile am Joint Venture Beijing Benz einreicht, sollten die Deutschen weiterhin einen Teil des Gewinns nach China transferieren. BAIC besitzt bereits 5 Prozent der Daimler AG. Jetzt will das chinesische Unternehmen seinen Anteil auf 9,9 Prozent erhöhen, berichten heute mehrere chinesische Medien.


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