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Tesla-Gigafactory: Deshalb musste Elon Musk seine Fabrik in Deutschland bauen



In 2017 war Elon Musk bereits überraschend in Deutschland engagiert. Zu dieser Zeit kaufte er für seinen Autohersteller Tesla eine Spezialfirma in der Eifel. Aus dem Maschinenhersteller Grohmann in Prüm wurde Tesla Grohmann Automation. Das Unternehmen liefert Maschinen, die eine hochautomatisierte Produktion in der Autofabrik ermöglichen.

Als die Tesla Model 3-Produktion letztes Jahr nicht startete, als sie sich überall anschloss und Tesla laut Musk durch die "Produktionshölle" ging, ließ er die deutschen Ingenieure einfliegen. "Tesla Grohmann Automation ist ein führendes Unternehmen, ein Juwel", sagt Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen. "Und Musk weiß, dass es in Deutschland noch viel mehr davon gibt."

Musk ist ein Fan deutscher Ingenieure. Als der Chef des amerikanischen Elektroautoherstellers am Dienstagabend das "Goldene Lenkrad" im Berliner Axel Springer-Haus entgegennahm, lobte er sie überwältigend. "Das deutsche Design ist mit Sicherheit außergewöhnlich", sagte Musk.

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Die Freude an diesem Kompliment, an allem, was früher von einer deutschen Industrie gemacht wurde Seit einigen Jahren, die sonst niemand herumgelaufen ist, lassen die Vertreter der heutigen deutschen Wettbewerber vergessen Dieses Modell 3 hatte gerade die Kategorie der Mittel- und Oberklasse-Autos von BMW, Mercedes und Audi übertroffen.

All dies war nicht wichtiger, da Musk gerade angekündigt hatte, dass er seiner Bewunderung für weitere Aktionen folgen wolle: Die erste europäische Fabrik in Tesla soll am Stadtrand Berlins entstehen. Eine Milliardeninvestition, die nicht nur Tausende von Arbeitsplätzen nach Brandenburg führen wird, sondern auch ein Zeichen aus dem fernen Silicon Valley ist, dass das Lied in der deutschen Autoindustrie verfrüht war.

Ironischerweise glaubt der Elektropionier Musk, dass es in Europa keinen besseren Ort gibt, um Elektroautos zu bauen. Da Musk sich aufgrund jeder Sensibilität entschieden hat und die große Tradition des deutschen Automobilherstellers für den Ort festlegt, kann dies mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Wenn er davon überzeugt wäre, dass Tesla anderswo bessere und billigere Elektroautos in großer Zahl produzieren könnte, würde er es tun.

"Den Wettbewerb wieder befeuern"

VW-Manager Herbert Diess betrachtet Musks Entscheidung für Deutschland auch als Schätzung der Branche: "Ich nehme an, es ist eine Spekulation, dass er Zugang zur besseren Autoindustrie haben will. ", Sagte Diess, als sie nach dem Motiv von Teslas Manager gefragt wurde. Im Silicon Valley gibt es viel Software-Know-how, aber nur wenige Zulieferer mit Erfahrung in der Automobilindustrie. Ein deutsches Tesla-Werk werde "den Wettbewerb wieder aufnehmen", räumte der VW-Chef ein. "Elon Musk sucht den Austausch mit der starken deutschen Automobilindustrie."

Moschus-Komplimente richten sich weniger an die direkten Konkurrenten von Volkswagen, Daimler und BMW als an den oft vernachlässigten Rest der deutschen Automobilindustrie. Obwohl die drei Automobilhersteller häufig im Fokus stehen, besteht die deutsche Schlüsselindustrie aus Hunderten von Zulieferern – vom kleinen, hochspezialisierten Unternehmen bis hin zu großen Unternehmen wie Continental und Bosch.

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Die Tesla-Modelle verfügen bereits über viel deutsche Technologie, obwohl sie immer in den USA verbaut sind. Und die Lieferanten in Deutschland verfügen nicht nur über jahrzehntelange Erfahrung, sondern auch über ausgefeilte Liefer- und Logistikketten.

Hinter Musks Entscheidung steht vor allem die Erkenntnis der letzten Monate, dass es nicht so einfach ist, sich zu engagieren. Bauen Sie ein Fahrzeug für den Massenmarkt von gleichbleibend hoher Qualität. Es ist eine Fähigkeit, die die Deutschen zur Perfektion entwickelt haben. Tesla braucht diese Fähigkeit. Und nicht wenige deutsche Unternehmen wiederum können sich mit Moschus befassen.

"Die Deutschen tendieren zum Masochismus"

Ein großer Teil der Branche ist derzeit durch die Elektromobilität zu einem raschen Wandel gezwungen, da bisher hauptsächlich Teile für Verbrennungsmotoren entwickelt und produziert werden. Dennoch gibt es viele Unternehmen, deren Produkte auch im Elektroauto benötigt werden. Autos ohne Einspritzdüsen brauchen noch Sitze und Scheibenwischer, und auf das Know-how der deutschen Ingenieure von der Karosserie bis zur Innenausstattung kann kaum verzichtet werden.

Mit diesen deutschen Herstellern will Tesla künftig konkurrieren. Noch bevor Musk die Pläne für das deutsche Werk bekannt gab, enthielt die Tesla-Website Stellenanzeigen für Ingenieure und Experten, die in Deutschland produzieren wollten. Wenn es um Anwendungen geht, muss die Gruppe wahrscheinlich nicht lange warten, auch wegen der angespannten Atmosphäre im Rest der Branche. Lesen Sie auch

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"Die Deutschen neigen zum Masochismus", sagt Dudenhoeffer. "Es gab nie einen Grund für den Schwan für die gesamte Branche." Er glaubt, dass beide Seiten von einer Tesla-Fabrik in Deutschland profitieren werden: Den Mitarbeitern von Musk mangelt es an Erfahrung in der Massenproduktion, die sie durch ihre Fachkenntnisse in der elektrischen Bedienung und insbesondere in der Softwareentwicklung unter Beweis stellen. Kein deutscher Autofahrer würde das ernsthaft bestreiten. Gerade für Zulieferer bietet die Zusammenarbeit jetzt die Möglichkeit, von Amerikanern zu lernen.

"Darüber hinaus ist die chemische Industrie ein Plus für Deutschland", sagt Dudenhöffer. Unternehmen wie die BASF liefern Materialien für die Batterieproduktion, und Musk hat angekündigt, nicht nur Autos in Brandenburg zu bauen, sondern auch die erforderlichen Batteriezellen. Natürlich gibt es auch Nachteile: Die Stromkosten in Deutschland sind im Vergleich zu vielen anderen europäischen Ländern sehr hoch. Dies ist insbesondere bei der energieintensiven Batterieproduktion problematisch. Aber für Moschus werden offensichtlich die Vorteile in Betracht gezogen.

"Eldorado deutscher Premiumhersteller"

"Am Autositz Deutschland ist nicht alles so schlecht, wie es in den letzten Jahren schien", sagt Stefan Bratzel, Zentrum für Automobilmanagement (CAM). In jedem Fall zeigt die Entscheidung von Tesla das Potenzial der Branche. "Aber es sollte dich nicht einmal eine Minute ausruhen lassen", warnt er.

Die Signalwirkung der Tesla-Entscheidung ist sicher nicht zu unterschätzen. "Dies ist eine gute Ankündigung für Deutschland als Autositz", sagte Bernhard Mattes, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Dies zeigt, dass Deutschland für die Produktion von Elektroautos attraktiv ist. Wir freuen uns auf den Wettbewerb, er wird das Geschäft wiederbeleben “, sagt Mattes.

Bratzel glaubt, Tesla suche die Konkurrenz. "Moschus ist mitten im Eldorado der deutschen Premiumhersteller", sagt er. "BMW und Daimler sind so groß geworden, dass sie sich gegenseitig zu Höchstleistungen antreiben." In Zukunft könnte es auch für andere Hersteller gelten: "Wer es in Deutschland schafft, schafft es überall."

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Nicht ausgeschlossen, dass andere Hersteller folgen. "Es ist gut für die deutsche Industrie, dass Tesla heute Marktführer für Elektromobilität in Deutschland ist", sagt Bratzel. Chinesische Automobilhersteller wie Nio, Geely oder Chery haben bereits Entwicklungs- und Designzentren in Deutschland eröffnet. Dahinter steckt die Erkenntnis anderer asiatischer Hersteller, dass die Autos aus Korea oder Japan nicht ohne weiteres auf dem europäischen Markt verkauft werden könnten.

Ob tatsächlich mehr Elektroautohersteller nach Deutschland gingen, muss sich Bratzel überlegen. Für die chinesischen Hersteller wird es sicher noch ein paar Jahre dauern. "Aber es ist klar: Tesla war der erste ausländische Automobilhersteller, der für immer ein Werk in Deutschland ausgesucht hat", sagt Bratzel. "Man kann schon hoffen, dass dies auch bei anderen Herstellern eine Ausstrahlung hat."

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Quelle: DW


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