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Bevölkerungswachstum: "Ein politisch sensibles Thema"



Bereits 1994 haben die Vereinten Nationen das Recht jedes Einzelnen proklamiert, seinen Körper und die Anzahl der Kinder im Aktionsprogramm von Kairo frei zu bestimmen. 25 Jahre später findet die Weltbevölkerungskonferenz in Nairobi statt. Hat es in der Zwischenzeit Fortschritte gegeben?

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<p class= Dies war damals in Kairo ein Meilenstein: das Recht auf reproduktive Gesundheit und Selbstbestimmung. Seitdem ist viel passiert. Die Sterblichkeit von Kindern und Müttern wurde gesenkt und mehr Frauen haben Zugang zu Bildung. Wir sehen aber immer noch viele Defizite. Frauen in einigen Teilen der Welt haben immer noch keinen Zugang zu Geburt und Nachsorge. In den weniger entwickelten Ländern fehlen 200 Millionen Frauen Verhütungsmittel, obwohl sie Schwangerschaften vermeiden wollen. Darum geht es in Nairobi.

Sehen Sie Nachholbedarf in Industrieländern?

Die Situation in Europa ist auch manchmal schwierig. Polen wirkt sich besonders negativ auf den Zugang zu Informationen, Beratung und Ressourcen für die Familienplanung aus. Es ist der Boden der EU.

Woher kommt der Widerstand?

  Alisa Kaps ist Direktorin für internationale Demografie am Berliner Institut für Bevölkerung und Entwicklung.


In Europa und Amerika wirken "Anti-Wahl" -Bewegungen dem Recht auf reproduktive Selbstbestimmung entgegen. Der Vatikan lehnt auch jegliche Form der modernen Familienplanung unter Papst Franziskus ab, der als fortschrittlich gilt. Der Gegenwind hat in den letzten Jahren sogar zugenommen, auch in den Vereinten Nationen.

Die Vereinigten Staaten waren ein wichtiger Motor des Aktionsprogramms von Kairo aus dem Jahr 1994. Warum drehte es sich jetzt?

Damals herrschte Bill Clinton. Unter Donald Trump weigern sich die USA erneut, Entwicklungshilfe an ausländische Organisationen zu leisten, wenn diese in irgendeiner Weise mit Abtreibung in Verbindung gebracht werden. Es reicht aus, Frauen, die im Notfall die Schwangerschaft beenden wollen, einem Arzt zu überlassen. Diese US-Blockadepolitik hat enorme Auswirkungen. Angeblich geht es um Abtreibung, aber es betrifft auch Organisationen, die nur Familienplanung und Schwangerschaftsvorsorge anbieten.

Auch in Nairobi wollen die Konferenzgegner laut sein. Religiöse Organisationen haben bereits Widerstand angekündigt und die Agenda für Abtreibung kritisiert. Ist das gerechtfertigt?

Es gibt natürlich fortschrittliche Stimmen, die fordern, dass Frauen ein Recht auf Abtreibung haben. Trotzdem wurde 1994 ausführlich festgestellt: Abtreibung sollte kein Mittel der Familienplanung sein, sondern nur eine Notlösung. Aber wenn Frauen unterbrechen, sollte es sicher sein und nicht in einem ordentlichen Hinterzimmer stattfinden. Dies kann sicherlich nicht als "Abtreibung für Abtreibung" bezeichnet werden.

Jedes Jahr wächst die Weltbevölkerung um rund 80 Millionen Menschen – so viele wie Deutschland Einwohner hat …

Das stimmt, aber der Trend geht etwas zurück. Das absolute Wachstum geht zurück, da viele Länder bereits unter dem Reproduktionsniveau von 2,1 Kindern pro Frau liegen. Mehr als die Hälfte des Wachstums findet jetzt in Afrika statt. Natürlich wachsen einige asiatische Länder noch, aber andere wie China schrumpfen bereits.

Besonders viele afrikanische Länder wollen nicht mit sich reden. Ist Bevölkerungswachstum ein Tabuthema?

In vielen Ländern ist es ein politisch gehyptes Thema, das immer noch eine sehr große Anzahl von Kindern hat. Sie kommen manchmal mit afrikanischen Regierungschefs für taube Ohren. Dann heißt es: Wer bist du, dass du uns sagen willst, wie viele Kinder wir haben werden?

Willst du es?

Im Gegenteil, wir unterstützen die Selbstbestimmung. Wir wollen nur, dass Länder mit einem starken Bevölkerungswachstum das Ruder herumdrehen: Gesundheit und Bildung, insbesondere für Frauen, verbessern, Gleichstellung aufbauen und Arbeitsplätze schaffen. All dies führt zu einer Verringerung der Anzahl der gewünschten Kinder. Und dann muss es natürlich auch Verhütungsmittel geben, damit dieser Wunsch umgesetzt werden kann. Frauen stehen im Mittelpunkt, weil sie in den meisten Gemeinden für die Familie verantwortlich sind. Wenn sie mitreden können, gebildet und in Politik und Arbeitsmarkt integriert sind, wollen sie in der Regel viel weniger Kinder.

Rechtspopulisten nutzen auch das Problem des Bevölkerungswachstums. Beispielsweise wird der Vorschlag der Jugendorganisation für die AfD unsere Entwicklungsunterstützung mit der Einführung einer Kinderpolitik zur Begrenzung des angeblichen Wachstums von Klimatreibern verknüpfen. Was denkst du darüber?

Wir sehen es wirklich mit Sorge. Eine Politik für ein Kind ist nicht nur eine Verletzung der Menschenrechte, sondern auch unwirksam und politisch nicht verantwortlich. Es sind nicht die afrikanischen Länder, die den Klimawandel vorantreiben, sondern wir treiben den globalen Norden mit unserem Konsum und Lebensstil voran. Populisten repräsentieren jedoch fälschlicherweise den Kontext. Deshalb sehen wir es als unsere Aufgabe an, diese Diskussion faktenbasiert zu führen und die richtigen Maßnahmen abzuleiten. Die Afrikaner dazu zu drängen, den Klimawandel zu bekämpfen, den wir verursachen, kann nicht die Lösung sein.

Alisa Kaps ist Direktorin für internationale Demografie am Berliner Institut für Bevölkerung und Entwicklung.

  Algen sind in China allgemein als Lebensmittel erhältlich: Ihr Geschmack unterscheidet sich von den Richtungen, in denen wir uns süß, sauer, würzig und bitter fühlen.





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