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Als der Norden in Schnee und Eis fiel



Sechs Menschen starben wie unzählige Tiere – Vor 40 Jahren kehrte eine Eiskatastrophe nach Schleswig-Holstein zurück. Eine bestimmte metereologische Konstellation war dafür verantwortlich.

Die Katastrophe kommt nach Weihnachten. Vor 40 Jahren, am 28. Dezember 1978, ändert sich plötzlich das milde Wetter. Über der Ostsee treffen sich eisige, trockene Luft aus Skandinavien und feuchte, warme Luft aus dem Rheinland. "Ein sehr ungewöhnliches, seltenes Wetter", sagt der Meteorologe und Klimaforscher Tobias Bayer vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. Die Folgen für das Land zwischen den Meeren sind dramatisch. Schleswig-Holstein fällt unter Schneemassen.

Hauptbetrieb, gefrorenes Schiff an der Ostsee, Kälte minus 20 Grad Celsius. Auf Straßen, Schienen und gefrorenem Wasser gibt es oft nichts mehr. Ein Land, das an den Nordpol zog. Viele Dörfer sind von der Umwelt getrennt, etwa 80 Dörfer ohne Strom. Landwirte schütten Milch von ihren Kühen in den Schnee. Tiere sterben. Sechs Menschen sterben. Hubschrauber der Bundeswehr werfen Essensäcke über Bauernhöfe, bringen Babywindeln, Medikamente, Lebensmittel mit. Dialysepatienten und schwangere Frauen fliegen ins Krankenhaus.

"Drücken Sie die Knie zusammen"

"Wir konnten weder Straßen noch Land aus der Luft identifizieren, da alles mit Schnee bedeckt war", erinnert sich Dieter Roeder. Der 70-Jährige pilotierte als Pilot einen Transporthubschrauber. Etwa 70 "Heli Babys" wurden geboren. "Drücken Sie Ihre Knie zusammen, wir sind gleich wieder da", sagte Roeder einer schwangeren Frau, die bereits die Tasche ihres Babys gebrochen hatte. Aber kein einziges Kind wurde in einem Hubschrauber geboren.

 Bezirk Neumünster: Die Bundeswehr setzte während der Schneekatastrophe auch Soldaten und Ausrüstung ein. (Quelle: dpa / wool image) Nachbarschaft Neumünster: Die Bundeswehr setzte während der Schneekatastrophe auch Soldaten und Ausrüstung ein. (Quelle: wool stone image / dpa)

Der erste Sturm dauerte bis zum 3. Januar 1979. Die Zeitschrift "Stern" brachte mit dem Fotografen Kai Greiser ein Titelfoto mit dem Titel "Wenn nichts mehr ging – der Sechstagekrieg im Schnee." Zum zweiten Mal lagen die Schneemassen nördlich von 13 bis 18 Uhr. Der nördlichste Teil des Landes litt am meisten.

25.000 Werkzeuge des THW oder des Deutschen Roten Kreuzes (DRC), 15.000 Feuerwehrleute und etwa 3000 Soldaten wurden eingesetzt. "Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang sind wir jeden Tag geflogen, wir müssen selbst über Hilfsmaßnahmen entscheiden", erinnert sich Roeder an die Zahnpasta-Probleme des koordinierenden Katastrophenschutzpersonals. Heute sieht Schleswig-Holstein Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) Beh

Großes Interesse

"Die Schneekatastrophe ist in Schleswig-Holsteins kollektives Gedächtnis gebrannt", sagt Miriam J. Hoffmann. Der Direktor des Itzehoe County Museum ist selbst ein "Schneekind". Ihre Eltern hatten Schwierigkeiten mit ihrem VW Käfer auf verschneiten Straßen von Neumünster nach Kiel, wo ihre Mutter geboren wurde – ohne Komplikationen. Nun zeigt Hoffmann im Bezirksmuseum (bis 24. Februar) eine Sonderausstellung über die Schneekatastrophe – mit Fotos, Filmen, Lesungen. "Die Antwort ist großartig, das hätte ich nie gedacht." Anstelle von etwa 5.000 Exemplaren wurde die Website des Museums bereits 70.000 Mal online aufgerufen – darunter 40% der Anrufe aus dem Ausland, wie den USA oder China, wahrscheinlich von Personen, die Verbindungen zu Schleswig-Holstein haben.

] Rendsburg im Dezember 1978: Das nördliche Bundesland Schleswig-Holstein wurde unter Schnee begraben. (Quelle: dpa / Georg Spring) Rendsburg im Dezember 1978: Das nördliche Bundesland Schleswig-Holstein wurde unter Schnee begraben. (Quelle: Georg Spring / dpa)

"Jeder hat seine eigene, sehr persönliche Erinnerung an die Schneekatastrophe", erklärt Hoffmann, und diese Erinnerungen sind oft durch positive Erfahrungen gekennzeichnet. "Der soziale Zusammenhalt war sehr groß, die Menschen halfen einander – wir wissen es von vielen zeugen ". [19659005] "Auf dem zugefrorenen, drei Meter tiefen Fairway"

lächelt Nissen, der Briefträger aus Hallig Langeness, als er zurückdenkt, wegen der hohen Schneeverwehungen auf einigen Haufen konnten die Bewohner das Haus nur über das Fenster im ersten Stock verlassen. Und da das Boot nicht mehr funktionierte und Eisschollen den Loren-Damm weiter trieben, fuhren er und ein paar Freunde mit einem VW-Buggy und einem alten Opel-Kadett einen Tag lang gefrorene Tonwohnungen nach Hallig Gröde, um die Post zu nehmen.

"Es war ein malerisches Gefühl, wir durften auch den gefrorenen, drei Meter tiefen Fairway überqueren", sagte Nissen. "Es war sehr schwebend, aber wir waren noch jung." Die Postfrau in Gröde war überrascht. "Sie brachte eine Karminschachtel mit und sagte" Sie haben es verdient. "Für die Hinfahrt brauchten Nissen und seine Freunde wegen der vielen Kontrollen, ob das Eis aufhörte, etwa eineinhalb Stunden." Vielleicht dauerte es noch zehn Minuten, wir kannten den Weg und mussten wegen der nächsten Flut Gummi geben. "

 Flensburg: Im Februar 1979 kam es erneut zu dramatischen Schneefällen. (Quelle: dpa / Werner Baum) "src =" https://bilder.t-online.de/b/84 / 99/19/90 / id_84991990 / 610 / tid_en / flensburg-im-februar-1979-com-the-again-to-dramatic-schneefaellen-.jpg "title =" Flensburg: Im Februar 1979 kam es wieder dramatischer Schneefall (Quelle: dpa / Werner Baum) "/> <span class= Flensburg: Im Februar 1979 kam es erneut zu dramatischen Schneefällen. (Quelle: Werner Baum / dpa)

"Die Menschen in Halligen sind besser als viele andere auf dem Festland", sagt Nissen nachdenklich. Es gibt Lagerhallen und Notstromaggregate. "Wir haben gesehen, wie die Lampen auf dem Festland ausgehen, also haben wir unseren Diesel angezündet." In diesem Jahr ersetzte die Schleswig-Holsteinische Netz AG die alten Notstromaggregate durch neue. "Wir haben in Halligen sehr gut erlebt, wir wurden nicht niedergeschlagen", sagt Nissen und verweist auf Hilfsflüge in der Bundeswehr.

Wiederholung eher unwahrscheinlich

Der zwölfjährige Dirk Billerbeck in Glücksburg bei Flensburg empfand "ein großes Abenteuer": "Wir Kinder hatten keine Schule, wir gruben im Schnee, spielten und bauten Höhlen", sagt Billerbeck. Ich ging buchstäblich auf das Dach ein Haus und sprang woanders in den Schnee. "Zu Hause hatten sie einen Gefrierschrank mit ausreichendem Proviant, der Strom war nachts nur kurz ausgefallen. Nachdem eine Schneefräse die Straße zum Gelände geräumt hatte, konnte er eine hohe Schneemasse betrachten und sogar auf einen 40-Tonnen-Lastwagen schauen.

"Ich hätte gerne auch solche Erfahrungen für meine Kinder", sagt Billerbeck. Im Vergleich zu damals sieht er jedoch das gleiche Problem: "Wir haben kein Gefrierfach und keine Heizung im Haus, aber Fernwärme – wenn der Strom ausfällt …", hatte Hoffmann hineingelegt In der siebten Klasse von Heide sagte die Schülerin spontan: "So etwas wollen wir auch erleben!"

Der Klimaforscher Bayr hält es für immer unwahrscheinlicher. In Schleswig-Holstein sind es heute 1,5 Grad wärmer als in der vorindustriellen Zeit. Die Anzahl der Frosttage pro Jahr hat sich von 82 auf etwa 60 Tage verringert.


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